Sondertilgung: was sie wirklich bringt
Fast jeder Darlehensvertrag erlaubt 5 Prozent Sondertilgung im Jahr. Fast niemand nutzt sie voll aus. Dabei ist sie das einzige Instrument, mit dem du eine laufende Finanzierung nachträglich deutlich billiger machst, ohne die Bank um Erlaubnis zu fragen.
Was Sondertilgung ist
Eine zusätzliche Rückzahlung außerhalb der normalen Monatsrate. Üblich ist ein vertragliches Recht auf 5 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr, ohne Zusatzkosten und ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Bei 350.000 Euro Darlehen sind das 17.500 Euro jährlich.
Der Betrag geht zu 100 Prozent in die Tilgung. Anders als bei der Monatsrate wird davon kein Cent für Zinsen abgezweigt. Das ist der Grund für die überproportionale Wirkung.
Die Wirkung in Zahlen
Ausgangslage: 350.000 Euro Darlehen, 4 Prozent Sollzins, 2 Prozent Anfangstilgung, Monatsrate 1.750 Euro. Ohne Sondertilgung läuft das Darlehen rund 28 Jahre.
| Sondertilgung pro Jahr | Laufzeit | verkürzt um | Zinsersparnis insgesamt |
|---|---|---|---|
| 0 € | rund 28 Jahre | keine | keine |
| 5.000 € | rund 20 Jahre | rund 8 Jahre | rund 72.000 € |
| 10.000 € | rund 15 Jahre | rund 12 Jahre | rund 108.000 € |
| 17.500 € (volle 5 %) | rund 12 Jahre | rund 16 Jahre | rund 137.000 € |
Beispielhaft, Stand 16.09.2026, Zins durchgehend 4 Prozent, Sondertilgung jeweils am Jahresende, per Skript nachgerechnet.
5.000 Euro im Jahr, also rund 417 Euro im Monat, verkürzen die Laufzeit um acht Jahre und sparen rund 72.000 Euro Zinsen. Das ist mehr, als die meisten erwarten, und es liegt daran, dass jeder getilgte Euro für den gesamten Rest der Laufzeit keine Zinsen mehr erzeugt.
Lohnt ein Aufschlag für mehr Sondertilgungsrecht?
Manche Banken bieten 10 Prozent statt 5 Prozent Sondertilgungsrecht gegen einen Zinsaufschlag von etwa 0,05 bis 0,1 Prozentpunkten. Die ehrliche Antwort: meistens nicht.
Der Aufschlag gilt für die gesamte Darlehenssumme und die gesamte Zinsbindung, das erweiterte Recht nutzt du aber nur, wenn du das Geld auch tatsächlich hast. Bei 350.000 Euro kostet ein Aufschlag von 0,1 Prozentpunkten rund 350 Euro im Jahr, verlässlich, jedes Jahr. Wer realistisch nur Weihnachtsgeld und einen Bonus einsetzt und damit unter 17.500 Euro bleibt, zahlt für ein Recht, das er nie braucht.
Sinnvoll wird der Aufschlag, wenn absehbar größere Beträge kommen: eine Abfindung, eine auslaufende Lebensversicherung, ein Erbe. Dann rechne konkret nach, statt pauschal zu entscheiden.
Tilgen oder anlegen?
Die Faustregel: Sondertilgung lohnt sich, wenn dein Darlehenszins höher ist als die Rendite, die du nach Steuern sicher erzielst. Bei 4 Prozent Sollzins ist das eine hohe Hürde, denn die Tilgung bringt eine garantierte Rendite in Höhe des Zinssatzes, ohne Risiko und ohne Abgeltungsteuer.
Drei Punkte, die gegen maximale Sondertilgung sprechen können:
- Du hast noch teurere Schulden, etwa einen Ratenkredit oder einen Dispo. Die kommen zuerst.
- Dein Notgroschen steht noch nicht. Getilgtes Geld ist weg, du holst es nicht ohne Weiteres zurück.
- Du bekommst eine Arbeitgeberförderung, etwa vermögenswirksame Leistungen oder eine Betriebsrente mit Zuschuss. Geschenktes Geld schlägt fast jeden Zinssatz.
So gehst du praktisch vor
- Vertrag prüfen: Wie hoch ist dein Recht, bis wann im Jahr muss die Zahlung eingehen, ist eine Ankündigung nötig?
- Termin setzen: Viele Rechte verfallen zum Jahresende und lassen sich nicht nachholen. Ein Kalendereintrag im November reicht.
- Verwendung klären: Frag die Bank, ob die Sondertilgung die Rate senkt oder die Laufzeit verkürzt. Für die Zinsersparnis ist die Laufzeitverkürzung fast immer besser.
- Nachweis aufheben für die spätere Anschlussfinanzierung.
Selbst nachrechnen: Im Finanzrechner mit Tilgungsplan siehst du, wie sich Sondertilgungen auf Laufzeit und Restschuld auswirken. Die Restschuld am Ende der Zinsbindung ist gleichzeitig die Grundlage deiner Anschlussfinanzierung.
Weiterlesen: Anschlussfinanzierung vergleichen und Annuitätendarlehen erklärt.
Häufige Fragen
Wie viel Sondertilgung ist üblich?
Standard sind 5 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr, kostenlos und ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Bei 350.000 Euro Darlehen also 17.500 Euro jährlich. Manche Banken bieten mehr, meist gegen einen Zinsaufschlag.
Verfällt mein Sondertilgungsrecht, wenn ich es nicht nutze?
In den allermeisten Verträgen ja. Das Recht gilt pro Kalenderjahr und lässt sich nicht ansammeln. Wer 2026 nichts tilgt, kann 2027 nicht 10 Prozent nachholen. Ein Kalendereintrag im November verhindert, dass das Recht ungenutzt abläuft.
Senkt eine Sondertilgung meine Rate oder die Laufzeit?
Das hängt vom Vertrag und oft von deiner Wahl ab. Für die Zinsersparnis ist die Laufzeitverkürzung fast immer besser, weil die hohe Rate weiterläuft und die Schuld schneller abbaut. Eine niedrigere Rate hilft nur, wenn du die monatliche Entlastung wirklich brauchst.
Lohnt sich ein Zinsaufschlag für ein höheres Sondertilgungsrecht?
Meistens nicht. Der Aufschlag gilt für die gesamte Darlehenssumme über die gesamte Zinsbindung, das erweiterte Recht nutzt du nur, wenn das Geld tatsächlich da ist. Sinnvoll wird es, wenn absehbar größere Beträge kommen, etwa eine Abfindung oder eine auslaufende Versicherung.
Ist Sondertilgung besser als anlegen?
Die Tilgung bringt eine garantierte Rendite in Höhe deines Sollzinses, steuerfrei und ohne Risiko. Bei 4 Prozent ist das eine Hürde, die sichere Anlagen derzeit kaum erreichen. Vorher sollten aber teurere Schulden weg sein und der Notgroschen stehen.
Weitere Begriffe rund um die Baufinanzierung findest du im Glossar Baufinanzierung von A bis Z: 58 Begriffe, kurz erklärt und mit den passenden Rechnern verknüpft.
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