Bereitstellungszinsen: der Posten, den niemand einplant
Die Bank hält dein Darlehen bereit, du rufst es aber noch nicht ab, weil der Bau stockt oder der Notartermin sich verschiebt. Ab einem bestimmten Punkt kostet dieses Warten Geld, und zwar mehr, als die meisten erwarten. Bei Neubau ist das einer der am häufigsten unterschätzten Posten.
Was Bereitstellungszinsen sind
Sobald dein Darlehen zugesagt ist, muss die Bank das Geld für dich vorhalten. Sie kann es nicht anderweitig verleihen. Für diese Bereitstellung verlangt sie ab einem bestimmten Zeitpunkt Zinsen, und zwar auf den Teil, den du noch nicht abgerufen hast.
Davor liegt die bereitstellungszinsfreie Zeit. Je nach Bank sind das drei bis zwölf Monate, in Einzelfällen bis zu 18 Monate. Diese Frist ist der eigentliche Verhandlungspunkt.
Wichtig: Bereitstellungszinsen kommen zusätzlich zu den normalen Zinsen auf den bereits ausgezahlten Teil. Wer in Raten abruft, zahlt also beides gleichzeitig.
Wie hoch sie sind
Der Marktstandard liegt bei 3 Prozent pro Jahr, also 0,25 Prozent pro Monat (beispielhaft, Stand 16.09.2026). Einzelne Banken liegen darunter, manche verzichten im Rahmen von Aktionen ganz darauf.
Bemerkenswert daran: Der Satz liegt teilweise unter dem aktuellen Sollzins für die Baufinanzierung selbst. In Hochzinsphasen ist das Warten damit relativ gesehen günstiger als früher, absolut bleibt es trotzdem teuer.
Rechenbeispiel Neubau
Darlehen 350.000 Euro. Das Grundstück ist bezahlt, der Bau läuft in Raten. Nach zwölf Monaten bereitstellungszinsfreier Zeit sind noch 200.000 Euro nicht abgerufen.
| Nicht abgerufener Betrag | Dauer | Bereitstellungszinsen bei 3 % p.a. |
|---|---|---|
| 200.000 € | 3 Monate | 1.500 € |
| 200.000 € | 6 Monate | 3.000 € |
| 200.000 € | 12 Monate | 6.000 € |
| 300.000 € | 6 Monate | 4.500 € |
Beispielhaft, Stand 16.09.2026. Tatsächlich sinkt der offene Betrag mit jedem Bauabschnitt, die Werte sind daher als Obergrenze zu lesen.
Ein halbes Jahr Bauverzug kostet in diesem Beispiel 3.000 Euro, für die es keinen Gegenwert gibt. Bei einem Neubau ist ein halbes Jahr Verzug nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall.
So hältst du sie klein
- Lange freie Zeit vereinbaren. Zwölf Monate statt sechs sind der wirksamste Hebel und kosten oft nichts oder wenig.
- Erst abrufen, wenn nötig. Zahle Bauraten pünktlich, aber nicht vorzeitig.
- Eigenkapital zuerst einsetzen. Wenn du das Eigenkapital in die frühen Bauabschnitte steckst, bleibt der Darlehensabruf länger klein, der offene Betrag aber ebenfalls. Rechne durch, was in deinem Fall günstiger ist.
- Realistisch planen. Ein Bauzeitenplan des Bauträgers ist ein Wunschzettel. Kalkuliere drei bis sechs Monate Puffer ein.
- Bei Verzögerung nachverhandeln. Viele Banken verlängern die freie Zeit gegen einen kleinen Zinsaufschlag, wenn man rechtzeitig fragt.
Was sich verhandeln lässt
Drei Punkte gehören vor der Unterschrift geklärt, und zwar schriftlich:
- Wie lang ist die bereitstellungszinsfreie Zeit, und ab wann läuft sie? Ab Zusage, ab Vertragsunterschrift oder ab dem ersten Abruf? Das macht Monate Unterschied.
- Wie hoch ist der Satz danach?
- Lässt sich die Frist verlängern, und zu welchen Konditionen?
Bei einem Bestandskauf mit festem Notartermin ist das Thema meist unkritisch. Bei Neubau, Bauträgerkauf oder Sanierung in Abschnitten entscheidet es über einen vierstelligen Betrag.
Gesamtkosten im Blick behalten: Im Finanzrechner mit Tilgungsplan siehst du die laufenden Kosten der Finanzierung. Die einmaligen Posten rechnet der Kaufnebenkosten-Rechner aus.
Weiterlesen: Welche Unterlagen brauche ich für die Baufinanzierung? und Kaufnebenkosten NRW 2026.
Häufige Fragen
Ab wann fallen Bereitstellungszinsen an?
Nach Ablauf der bereitstellungszinsfreien Zeit, je nach Bank drei bis zwölf Monate, in Einzelfällen bis 18 Monate. Wichtig ist, ab welchem Zeitpunkt diese Frist läuft: ab Zusage, ab Vertragsunterschrift oder ab dem ersten Abruf. Das kann Monate ausmachen.
Wie hoch sind Bereitstellungszinsen?
Marktüblich sind 3 Prozent pro Jahr auf den noch nicht abgerufenen Betrag, also 0,25 Prozent pro Monat. Einzelne Banken liegen darunter. Sie kommen zusätzlich zu den normalen Zinsen auf den bereits ausgezahlten Teil.
Kann ich Bereitstellungszinsen vermeiden?
Ganz vermeiden lassen sie sich nur, wenn du innerhalb der freien Zeit vollständig abrufst. Klein halten kannst du sie durch eine lange freie Zeit, realistische Bauzeitplanung und den gezielten Einsatz von Eigenkapital in den frühen Bauabschnitten.
Sind Bereitstellungszinsen im Effektivzins enthalten?
Nein. Der Effektivzins nach Preisangabenverordnung enthält sie nicht, weil zum Zeitpunkt des Angebots nicht feststeht, ob und wie lange sie anfallen. Deshalb kann ein Angebot mit besserem Effektivzins in der Praxis teurer sein, wenn die freie Zeit kürzer ist.
Gilt das auch beim Kauf einer Bestandsimmobilie?
Grundsätzlich ja, praktisch spielt es dort kaum eine Rolle. Zwischen Finanzierungszusage und Notartermin liegen meist wenige Wochen, die Auszahlung erfolgt in einer Summe. Kritisch wird es bei Neubau, Bauträgerkauf und Sanierung in Abschnitten.
Weitere Begriffe rund um die Baufinanzierung findest du im Glossar Baufinanzierung von A bis Z: 58 Begriffe, kurz erklärt und mit den passenden Rechnern verknüpft.
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Stand: 16. September 2026. Bereitstellungszinssätze und bereitstellungszinsfreie Zeiten sind beispielhafte Marktwerte, Stand 16.09.2026, und unterscheiden sich je nach Bank erheblich. Effektivzinsberechnung nach Preisangabenverordnung. Alle Zinssätze sind beispielhafte Konditionen ohne Gewähr, Bonität und Objekt entscheiden über die tatsächlichen Konditionen. Rechenbeispiele: monatliche Annuität, nachgerechnet per Skript.
