Grunderwerbsteuer NRW: 6,5 Prozent und wie du sie senkst
In Nordrhein-Westfalen ist die Grunderwerbsteuer der größte Einzelposten der Kaufnebenkosten. Bei 350.000 Euro Kaufpreis sind das 22.750 Euro, fällig wenige Wochen nach dem Notartermin, und die Bank finanziert sie in aller Regel nicht mit.
Höhe und Bemessungsgrundlage
Die Grunderwerbsteuer ist Ländersache. Nordrhein-Westfalen erhebt 6,5 Prozent und liegt damit im oberen Bereich der Bundesländer. Bemessungsgrundlage ist die Gegenleistung, also im Normalfall der beurkundete Kaufpreis.
Mitgerechnet werden auch übernommene Lasten, etwa ein Wohnrecht oder eine noch offene Erschließungsbeitragspflicht. Nicht mitgerechnet wird bewegliches Inventar, und genau darin liegt der einzige legale Gestaltungsspielraum.
Was sie konkret kostet
| Kaufpreis | Grunderwerbsteuer 6,5 % | Nebenkosten gesamt ohne Makler | mit Makler |
|---|---|---|---|
| 200.000 € | 13.000 € | rund 17.000 € | rund 24.100 € |
| 300.000 € | 19.500 € | rund 25.500 € | rund 36.200 € |
| 350.000 € | 22.750 € | rund 29.800 € | rund 42.200 € |
| 400.000 € | 26.000 € | rund 34.000 € | rund 48.300 € |
| 500.000 € | 32.500 € | rund 42.500 € | rund 60.400 € |
Notar und Grundbuch überschlägig 2 Prozent, Maklerprovision 3,57 Prozent für den Käufer. Beispielhaft, Stand 16.09.2026.
Wann sie fällig wird
- Der Notar zeigt den Kaufvertrag beim Finanzamt an, gesetzlich vorgeschrieben nach § 18 Grunderwerbsteuergesetz.
- Das Finanzamt schickt dir den Steuerbescheid, meist zwei bis acht Wochen nach der Beurkundung.
- Die Steuer ist einen Monat nach Bekanntgabe des Bescheids fällig.
- Nach Zahlung erteilt das Finanzamt die Unbedenklichkeitsbescheinigung.
- Erst mit dieser Bescheinigung wirst du als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen.
Der letzte Punkt ist der wichtige: Ohne gezahlte Grunderwerbsteuer kein Eigentum. Käufer und Verkäufer haften gegenüber dem Finanzamt gesamtschuldnerisch, im Kaufvertrag wird die Zahlung aber praktisch immer dem Käufer auferlegt.
Für die Planung heißt das: Die Summe muss liquide verfügbar sein, kurz nach dem Notartermin. Wer sein gesamtes Eigenkapital in den Kaufpreis gesteckt hat, steht hier vor einem Problem.
Legal senken über das Inventar
Bewegliches Inventar unterliegt nicht der Grunderwerbsteuer. Wird es im Kaufvertrag getrennt ausgewiesen, sinkt die Bemessungsgrundlage. In Frage kommen typischerweise:
- Einbauküche
- Markise, Gartenhaus, Sauna
- freistehende Möbel, die übernommen werden
- Kaminofen, sofern nicht fest verbaut
Beispiel: Kaufpreis 350.000 Euro, davon 15.000 Euro für die zwei Jahre alte Einbauküche. Die Bemessungsgrundlage sinkt auf 335.000 Euro, die Steuer von 22.750 auf 21.775 Euro. Das sind 975 Euro gespart, für eine Zeile im Kaufvertrag.
Drei Regeln dazu:
- Der Betrag muss realistisch sein. Eine zehn Jahre alte Küche ist keine 30.000 Euro wert, und das Finanzamt fragt nach.
- Nur bewegliche Gegenstände zählen. Was fest mit dem Gebäude verbunden ist, gehört zum Grundstück.
- Es hat eine Kehrseite: Der Inventaranteil wird von vielen Banken nicht mitfinanziert, weil er keine Sicherheit darstellt. Bei knappem Eigenkapital kann die Ersparnis bei der Steuer teurer werden als der Vorteil.
Wann keine Steuer anfällt
§ 3 Grunderwerbsteuergesetz nennt mehrere Befreiungen. Praktisch relevant sind:
- Erwerb durch Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner voneinander
- Erwerb von Verwandten in gerader Linie, also Eltern, Kinder, Großeltern
- Erwerb durch Erbschaft oder Schenkung
- Grundstücke mit einem Wert bis 2.500 Euro
- Vermögensauseinandersetzung nach einer Scheidung
Nicht befreit sind Geschwister, und das überrascht regelmäßig. Der Kauf vom Bruder oder der Schwester ist voll steuerpflichtig.
Alle Nebenkosten auf einen Blick: Der Kaufnebenkosten-Rechner für NRW rechnet Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und Maklerprovision für deinen Kaufpreis aus. Wie viel Kaufpreis dein Budget trägt, zeigt der Budget-Rechner.
Weiterlesen: Kaufnebenkosten NRW 2026: womit du wirklich rechnen musst und Baufinanzierung ohne Eigenkapital.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Grunderwerbsteuer in NRW?
6,5 Prozent des Kaufpreises. Das ist einer der höchsten Sätze in Deutschland. Bei 350.000 Euro Kaufpreis sind das 22.750 Euro.
Wann muss ich die Grunderwerbsteuer zahlen?
Einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids. Der Bescheid kommt meist zwei bis acht Wochen nach dem Notartermin. Ohne Zahlung gibt es keine Unbedenklichkeitsbescheinigung und damit keinen Grundbucheintrag.
Kann ich die Grunderwerbsteuer mitfinanzieren?
Grundsätzlich ja, im Rahmen einer 110-Prozent-Finanzierung. Das ist aber deutlich teurer, weil der Beleihungsauslauf über 100 Prozent steigt. Die meisten Banken erwarten, dass die Nebenkosten aus eigenen Mitteln kommen.
Wie viel Inventar darf ich im Kaufvertrag ausweisen?
So viel, wie realistisch dem Zeitwert entspricht. Bei sehr hohen Beträgen im Verhältnis zum Kaufpreis fragt das Finanzamt nach und verlangt Nachweise. Halte den Ansatz plausibel und dokumentiere ihn, dann ist das ein völlig legaler Weg.
Zahle ich beim Kauf von meinen Eltern Grunderwerbsteuer?
Nein. Der Erwerb von Verwandten in gerader Linie ist nach § 3 Grunderwerbsteuergesetz befreit, ebenso zwischen Ehegatten. Beim Kauf von Geschwistern fällt die Steuer dagegen in voller Höhe an.
Weitere Begriffe rund um die Baufinanzierung findest du im Glossar Baufinanzierung von A bis Z: 58 Begriffe, kurz erklärt und mit den passenden Rechnern verknüpft.
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Stand: 16. September 2026. Rechtsgrundlagen: Grunderwerbsteuergesetz, insbesondere § 3 (Befreiungen), § 13 (Steuerschuldner), § 18 (Anzeigepflicht des Notars), § 22 (Unbedenklichkeitsbescheinigung). Steuersatz Nordrhein-Westfalen 6,5 Prozent. Diese Seite ersetzt keine Steuerberatung. Alle Zinssätze sind beispielhafte Konditionen ohne Gewähr, Bonität und Objekt entscheiden über die tatsächlichen Konditionen. Rechenbeispiele: monatliche Annuität, nachgerechnet per Skript.
